Perfektionismus steigt um 33%, Burnout verzehnfacht sich, wir optimieren uns selbst in den Kollaps. Aber warum? Weil wir uns schämen – für unsere Fehlbarkeit, unsere Körper, unser Menschsein. Schule und Arbeit haben uns trainiert, Maschinen zu werden. Und jetzt, wo echte Maschinen kommen, die alles besser können, steht die Frage im Raum: Was bleibt von uns übrig? Teil 1 über die Wurzeln unserer Maschinenwerdung – und warum selbst Weltstars wie Robbie Williams trotz 80.000 Fans dachten: "Gleich fliegen sie mich auf."
Menschen wollen Maschinen sein – Teil 1: Die Flucht vor dem Fühlen
Wortanzahl: ~2020 Wörter
Lesezeit: ~9 Minuten

Die Beobachtung
Mir ist etwas klar geworden, das ich nicht mehr ungesehen machen kann: Die meisten Menschen um mich herum versuchen, Maschinen zu sein. Es gibt Ausnahmen, aber sie sind selten. Und ich gehöre dazu - ich wollte das auch. Ich will es immer noch, an manchen Tagen.
Das ist keine Metapher. Ich meine das wörtlich. In der Art, wie Menschen über sich sprechen - als wären sie Systeme, die debuggt werden müssen. Pläne abarbeiten, eins nach dem anderen, einem Ziel hinterher: Perfektion. Und es wird schlimmer: Eine Studie von Curran und Hill aus 2019 zeigt, dass sich Perfektionismus bei jungen Menschen seit 1989 um 33 % erhöht hat. Eine ganze Generation, die lernt, nur wertvoll zu sein, wenn sie makellos funktioniert.
Man sieht es überall. Menschen bewegen sich weg vom Rohen, vom Fleischigen, vom Fühlenden. Hin zu sauber, perfekt, kontrolliert. Alles wird glatt gezogen. Makel werden am Körper entfernt. Körper wie Statuen, kein Haar an der falschen Stelle. Porenlose Haut. Gesichter ohne Geschichte - keine Lachfalten, keine Spuren von Trauer oder Alter. Ästhetische Operationen nehmen kontinuierlich zu – 2022 stiegen sie in Deutschland um 15 % gegenüber dem Vorjahr, besonders stark bei unter 30-Jährigen. Manche machen es vielleicht aus Selbstliebe. Aber meistens ist es der Versuch, von außen zu kitten, was innen zerbrochen ist.
Doch selbst wenn jemand aus echtem Selbstwert handelt - die herrschende Kultur macht es immer schwerer, den Unterschied zu erkennen. Morgenroutinen, die wie Algorithmen ablaufen. Acht Gläser Wasser, zehn Minuten Meditation, Makros tracken, Schritte zählen. Menschen zeigen ihre polierten Leben in perfektem Licht - aber nur den Teil, der funktioniert. Das Menschliche - das Rohe, das Unvorhersehbare, das Scheitern - kommt selten zum Vorschein. Und wenn doch, dann nur kalkuliert. Verletzlichkeit als Content. Tränen mit Filter.
Oder das Gym. Ein Maschinenraum voller Maschinen, die an Maschinen trainieren. Alle mit Kopfhörern, niemand schaut sich in die Augen. Kein Hallo, kein Tschüss - und wenn doch, sind alle überrascht. Wir haben es geschafft, fast alles Menschliche aus diesem Ort zu entfernen. Sogar den Schweiß - der wird akribisch mit Desinfektionstüchern weggewischt, sofort, als wäre er eine Fehlfunktion, ein Leck im System. Natürlich ist es gut, den Körper zu pflegen. Aber wir warten ihn wie ein Gerät, wir fühlen ihn nicht als Heimat. Das Ziel ist nicht Vitalität. Das Ziel ist, auszusehen wie die Renderings auf Instagram. Wir externalisieren unseren Selbstwert und verlieren uns dabei.
Die Frage ist nicht mehr „Wie fühle ich mich?", sondern „Wie funktioniere ich?" Wie weit bin ich weg von der perfekten Maschine? Was kann ich noch optimieren? Wie komme ich am schnellsten zu Geld? Der globale Markt für Selbstoptimierungs-Apps und Produktivitäts-Tools wird 2025 auf über 13 Milliarden Dollar geschätzt. Wir bezahlen dafür, effizienter zu werden.
Was ich erst jetzt verstanden habe: Das ist keine individuelle Macke. Es ist ein Muster. Ein kollektives Ausweichen. Die Psychologie nennt es chronische Schamdissoziation - nach außen funktioniert ein perfektes Selbst, innen herrscht emotionale Taubheit. Menschen beschreiben es als „wie in Watte gepackt" oder „innerlich tot, aber äußerlich perfekt".
Wir werden zu dem, was wir anstreben: funktionale Zombies. David Chalmers nannte das den „philosophischen Zombie": Ein Wesen, das sich exakt wie ein Mensch verhält, lacht und arbeitet, aber kein Bewusstsein hat. Keine innere Erlebniswelt. Nur Funktion. Das ist das logische Ende unseres Strebens nach Fehlerlosigkeit: perfekt von außen, leer von innen. Maschinen mit menschlicher Hülle.
Das klingt abstrakt. Aber es ist bitter konkret. Und es ist kein Zufall. Es ist ein Schutzmechanismus.
Die Systeme

Dieser Schutzmechanismus hatte Helfer. Systeme, die uns gelehrt haben, Maschinen zu sein.
Unsere Schulen - die Regelschulen jedenfalls - sind Orte, an denen uns der Körper abtrainiert wird. Stillsitzen, wenn alles rennen will. Schweigen, wenn alles schreien will. Sechs Stunden lang bewegungslos auf einem Stuhl, während der Körper schreit: „Ich bin lebendig!" Was gelehrt wird: Fakten auswendig lernen, nach Norm funktionieren, Leistung nach Output messen. Was nicht gelehrt wird: Fühlen. Spüren. Intuition. Beziehung. Die systematische Dissoziation vom eigenen Körper beginnt hier. Mit sechs Jahren.
Und jetzt die bittere Pointe: Fast alles, was diese Schulen uns beibringen, kann KI bereits besser. Die Schule hat uns für eine Welt vorbereitet, die gerade verschwindet.
Die Arbeitswelt ist nicht anders. Alles, was auf Logik, Mustererkennung und Effizienz basiert - also alles, worauf wir stolz waren - kann die Maschine besser. Programmierung. Buchhaltung. Medizinische Diagnose. Juristische Recherche. Stadtplanung. Finanzberatung. Die Liste ist lang, und sie wird länger. OP-Roboter werden präziser operieren als jede menschliche Hand. KI wird komplexere Gesetze entwerfen, weil sie tausende Präzedenzfälle gleichzeitig im Blick behält. KI-Dolmetscher kennen keine Müdigkeit, verlieren keine Nuancen.
Was bleibt? Was kann KI nicht?
Das, wo biologische Resonanz zählt. Wo ein Nervensystem ein anderes beruhigt. Wo Präsenz nicht simuliert werden kann.

Osteopathie. Massage. Breathwork. Hebammen. Sterbebegleitung. Trauma-Therapie - wo das Nervensystem des Therapeuten das des Klienten co-reguliert. Echtes Coaching, keine Tipps, sondern Beziehung. Improvisierte Musik. Tanz. Mediation, wo menschliche Präsenz Konflikte löst. Das ist der gemeinsame Nenner: Es geht um Körper, die andere Körper spüren. Um Nervensysteme, die sich gegenseitig regulieren. Das kann keine KI. Das ist der einzige Ort, wo wir unersetzbar sind.
Die Liste ist erschreckend kurz. Erschreckend, wenn man darüber nachdenkt, wie viele Menschen in den nächsten 10 Jahren ihren Job verlieren werden. Wie viele dieser Menschen sind gut im Fühlen? Und wie viele brauchen wir überhaupt für diese Berufe?
Hier ist die bittere Ironie: Wir haben seit der Industrialisierung - über 250 Jahre - trainiert, schlechte Maschinen zu sein. Wir haben das Menschliche verdrängt, so gut es ging. Effizienz, Logik, Mustererkennung - das haben wir als erstrebenswert definiert. Und jetzt haben wir echte Maschinen gebaut, die genau das viel besser können.
Wir sind obsolete Maschinen in menschlichen Körpern, bei denen kollektiv so langsam das Licht ausgeht.
Doch einer wehrt sich dagegen - und zwar massiv: Unser Körper selbst.
Autoimmunerkrankungen sind zwischen 2012 und 2022 um 22 Prozent gestiegen. Der Körper greift sich selbst an, weil er nicht mehr weiß, wer Freund und wer Feind ist. Burnout-bedingte Krankheitstage haben sich seit 2005 mehr als verzehnfacht. Depression und Angststörungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen - die WHO bezeichnet sie als zweitgrößte Ursache für Behinderung weltweit. Chronische Erschöpfung, Long-COVID, Fibromyalgie - Krankheiten, bei denen das Nervensystem einfach kapituliert. Der Körper sagt: „Ich weigere mich." Er zwingt die Maschine zum Stillstand.
Was wie Depression, Burnout oder Apathie aussieht, ist oft gefrorene Scham. Der Körper rebelliert gegen das, was wir ihm angetan haben: die systematische Abspaltung vom Fühlen, die Unterwerfung unter die Maschinenlogik.
Wir sitzen zwischen den Stühlen: zu menschlich, um perfekte Maschinen zu sein. Zu maschinenhaft, um noch zu wissen, wie Menschsein geht.
Aber warum? Warum wollen Menschen wie Maschinen sein? Was ist so unerträglich am Menschsein, dass wir kollektiv versucht haben, es loszuwerden?
Die Antwort ist einfach und erschütternd zugleich. Der Psychologe Prof. Ashok Riehm bringt es auf den Punkt: Wir flüchten in die Maschine, um nicht fühlen zu müssen. Der Grund ist Scham.
Die Wurzel
Scham ist nicht einfach ein unangenehmes Gefühl. Scham ist die Überzeugung: Ich bin falsch, wie ich bin. Nicht „Ich habe einen Fehler gemacht" – sondern „Ich BIN der Fehler."
Es beginnt früh. Ein Kind kommt zur Welt und ist lebendig. Es schreit, wenn es Hunger hat. Es weint, wenn es Nähe braucht. Es zeigt seine Gefühle und Bedürfnisse roh, bedürftig, chaotisch, ungefiltert. Und wenn die Antwort darauf nicht Befriedigung ist, sondern Ablehnung – „Sei still", „Stell dich nicht so an", „Du bist zu viel" – dann lernt das Kind keine Selbstwirksamkeit, welche das Fundament von Selbstwert darstellt. Es lernt vielmehr: Ich werde nicht geliebt, wie ich bin.
Eltern, die selbst in ihren eigenen Egos und ungeheilten Wunden feststecken, sind oft nur noch damit beschäftigt, die Gefühle ihrer Kinder auszuhalten und zu regulieren – Wut, Ungeduld, Albernheit, Ängste. Und wenn diese Kinder dann noch neurodivergent sind – was in den letzten Jahren deutlich häufiger diagnostiziert wird, teils durch besseres Erkennen, teils möglicherweise durch veränderte Lebensumstände – dann ist Land unter.
Diese Eltern können den wahren Kern, den Geist ihrer Kinder nicht sehen. Sie können ihn nicht spiegeln, bevor das Kind sich seiner selbst bewusst wird. Stattdessen projizieren sie ihre eigenen Wunden auf das Kind, Tag ein, Tag aus. Und das Kind beginnt, seine Persönlichkeit nicht aus sich heraus zu entwickeln, sondern durch Anpassung. Es scannt die Erwartungen, die Wünsche, die unausgesprochenen Regeln seiner Eltern. Es baut sich um diese herum auf. Es führt weg vom eigenen Kern. Und dieser Vorgang selbst erzeugt eine tiefe Scham: Die Scham, nicht man selbst sein zu dürfen. Denn das Kind weiß genau – würde es sein wahres Selbst zeigen, würde es seinen Eltern nicht mehr genügen. Aber das kann es sich nicht leisten. Es ist abhängig. Also spaltet es sich ab.
Das Kind schließt alles ein, was nicht sein darf: die Wut, die Traurigkeit, die Angst, das Bedürfnis. Es packt diese Gefühle tief in den Körper. Dort, wo niemand sie sieht. Und genau da liegt die Wunde – eingewickelt in Scham.

Das Kind kann nicht denken: „Die Erwachsenen sind überfordert." Es denkt: „Ich bin falsch." Und um zu überleben, schneidet es sich vom Fühlenden ab. Der Körper wird zum Feind – weil er der Träger der Scham ist, weil er sichtbar macht, was verborgen bleiben muss. Sichtbarkeit wird Gefahr. Verletzlichkeit wird Schwäche.
Prof. Riehm geht noch tiefer: „Ich bin nicht beschämt worden, ich bin Scham geworden." Das Kind verschmilzt mit der Scham. Es wird zu dem, was ihm angetan wurde.
Und dann kommt die Maschine. Die Maschine verspricht Erlösung. Die Maschine hat keine Bedürfnisse. Die Maschine wird nicht zurückgewiesen. Die Maschine funktioniert – und wenn sie funktioniert, ist sie wertvoll. Wer Glück hat, wessen Nervensystem zufällig auf die Anforderungen passt, der wird von Leistung abhängig. Leistung gibt einen Wert zurück. Aber es ist geliehener Wert. Wert auf Kredit. Solange die Maschine läuft, fühlt sich das Kind – später der Erwachsene – wertvoll. Sobald sie stockt, bricht alles zusammen. Denn darunter ist nichts. Kein Fundament. Nur die alte Gewissheit: Ich bin falsch.
Und genau diese innere Leere ist der perfekte Brennstoff für das, was wir gebaut haben: einen Kapitalismus, der davon lebt, dass wir nie genug sind, und einen Narzissmus, der das grandiose falsche Selbst nach außen poliert, während innen Scham herrscht. Die Systeme – Schulen, Büros, Fitnessstudios – müssen uns gar nicht zwingen. Unsere eigene Scham treibt uns an. Wir kaufen Produkte, um die Wunde zu schließen. Wir optimieren Körper, um wertvoll zu werden. Wir jagen Karrieren, um zu beweisen, dass wir doch richtig sind. Das System profitiert genau davon. Es braucht Menschen, die sich selbst nicht genug sind. Menschen, die glauben, sie müssten sich ihren Wert verdienen.
Die Dissoziation vom Körper, vom Fühlen, vom Menschlichen ist kein Defekt. Es ist ein Schutzmechanismus. Es ist Überleben.
Aber das ist nicht nur eine individuelle Geschichte. Es gibt auch eine kulturelle Lizenz dafür.
René Descartes vollzog im 17. Jahrhundert den Schnitt, an dem wir heute noch bluten. Er trennte Körper und Geist. Der Körper: Materie, ein Automat, ein Uhrwerk aus Fleisch. Der Geist: das einzig Wertvolle, das Göttliche in uns. Descartes wollte die Seele retten, ihr einen sicheren Ort geben, fern von der vergänglichen Materie.
Doch wir haben uns von seiner Philosophie nur genommen, was wir brauchten. Die Erlaubnis, den Körper als Maschine zu behandeln – die haben wir dankbar angenommen. Den göttlichen Geist? Den haben wir weggestrichen. Er war unbequem. Er hätte bedeutet, dass da noch etwas Heiliges ist, etwas Schützenswertes. Also haben wir ihn einfach für irrelevant erklärt. Übrig blieb: Mechanik. Fleisch, das funktioniert. Ohne Bewusstsein, ohne Heiligkeit, ohne Würde.
Das war die perfekte Einladung für die Industrialisierung. Wenn der Körper nur Material ist, nur ein Objekt, dann darf man ihn behandeln wie ein Werkzeug. Man darf ihn schinden, optimieren, auf Effizienz trimmen. Das Spüren wird zur Störung im Betriebsablauf. Die Müdigkeit zur Fehlfunktion. Der Schmerz zum technischen Problem.
Der Körper wird Arbeitskraft. Messbar, austauschbar, optimierbar. Effizienz wird zum höchsten Wert.
Die individuelle Scham und die kulturelle Abwertung des Körpers verstärken sich gegenseitig. Was als persönlicher Schutzmechanismus beginnt, wird zur gesellschaftlichen Norm. Wir alle lernen: Das Menschliche ist das Problem. Die Maschine ist die Lösung.
Und genau hier geschieht der eigentliche Diebstahl. Wenn wir Lebendigkeit pathologisieren und Anpassung belohnen, rauben wir uns und unseren Kindern etwas Fundamentales: die Würde. Wir lesen Artikel 1 des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar." Ein schöner Satz. Aber in einer Kultur der Maschinen ist er eine Illusion. Wir haben die Würde längst angetastet. Wir treten sie täglich mit Füßen, ohne es zu wollen. Wir entfremden uns vom Menschlichen, vom Spüren. Und um diesen Verlust nicht fühlen zu müssen, werden wir endgültig zu Maschinen. Denn Maschinen brauchen keine Würde. Objekte brauchen keine Würde. Sie brauchen nur Wartung.
Die Tragik
Du kannst dich optimieren, so viel du willst. Du kannst den perfekten Körper haben, die perfekte Karriere, das perfekte Leben. Du kannst alles richtig machen. Und trotzdem – das Gefühl bleibt. Ich bin falsch.
Es ist das paradoxe Gesetz der Maschinenwerdung: Je perfekter du nach außen funktionierst, desto stärker wird die Angst innen. Das Hochstapler-Syndrom ist keine Bescheidenheit. Es ist die logische Konsequenz. Robbie Williams, einer der erfolgreichsten Entertainer der Welt, beschreibt es so: Selbst vor 80.000 Menschen dachte er: „Gleich fliege ich auf. Gleich merken sie, dass ich eigentlich gar nichts kann. Dass alles nur Bluff ist." Jahrzehnte Erfolg. Millionen Fans. Und doch die panische Angst: Wenn sie wüssten, wer ich wirklich bin, wäre alles vorbei.
Das ist kein Promi-Problem. Wir alle tun es. Wir suchen die Bestätigung für unser Maschinensein. Wir konsumieren sie. Wir wollen gelobt werden für unsere Klamotten, unseren Job, unseren Urlaub, unseren Körper. Wir posten es auf Instagram, wir tragen es zur Schau. Wir bauen einen simulierten Selbstwert, der nur existiert, solange jemand von außen klatscht. Wir externalisieren unser Ich. Wir lagern unseren Wert aus.
Aber der Applaus landet immer nur auf der Fassade. Er gilt der Maschine, nicht dem Menschen darin. Und deshalb heilt er nicht. Tief drinnen wartet immer noch das verletzte Kind. Es hofft auf Rettung. Es hofft immer noch – selbst im Erwachsenenalter –, dass die Eltern (oder die Welt) einen endlich retten, endlich sehen, endlich lieben. Die grausame Ironie ist: Wir hoffen, für das geliebt zu werden, was wir wirklich sind. Aber wir zeigen der Welt nur das, was wir glauben, sein zu müssen. Wir haben uns so sehr angepasst, so perfekt funktioniert, dass wir gar nicht mehr wissen, wer wir eigentlich sind. Wir haben den Kontakt zu dem verloren, was da drinnen eigentlich schreit.
Das erzeugt eine unerträgliche innere Reibung. Es zerreißt einen. Da ist eine Sehnsucht, die nicht gestillt wird, egal wie perfekt die Maschine läuft. Weil das, was wir wirklich brauchen, nicht durch Leistung zu bekommen ist. Die Maschine läuft heiß. Die Lüfter drehen auf Maximum. Wir haben uns perfektioniert – und uns dabei verloren.

Die Maschine zu warten, wird uns nicht retten. Jetzt, wo echte Maschinen da sind, können wir die Frage nicht mehr verdrängen: Was bleibt übrig, wenn die Kopie obsolet wird? Wie wir unsere Würde zurückholen – und was KI damit zu tun hat – darum geht es in Teil 2.
Transparenzhinweis
Dieser Text ist ein Experiment in Koexistenz. Die Gedanken, der Schmerz und die These sind zu 100 % menschlich. Formuliert und geschärft wurden sie im Dialog mit künstlicher Intelligenz. Ich nutze die Maschine, um das Menschliche klarer zu machen – genau darum wird es nächste Woche gehen.
Quellen
Wissenschaftliche Studien
Curran, T., & Hill, A. P. (2019). Perfectionism is increasing over time: A meta-analysis of birth cohort differences from 1989 to 2016. Psychological Bulletin, 145(4), 410-429.
DOI: 10.1037/bul0000138
PubMed: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29283599/
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DOI: 10.20364/VA-24.05
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URL: https://www.who.int/news/item/02-09-2025-over-a-billion-people-living-with-mental-health-conditions-services-require-urgent-scale-up
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URL: https://www.vdaepc.de/vdaepc-statistik-2022-zahlen-fakten-entwicklungen-in-der-aesthetisch-plastischen-chirurgie/
Business Research Insights. Productivity Apps Market Size, Share 2025-2035.
URL: https://www.businessresearchinsights.com/market-reports/productivity-apps-market-117791
Psychologie & Trauma
Prof. Ashok Riehm – Psychologe und Traumaforscher
YouTube-Vortrag: https://www.youtube.com/watch?v=gqxbXEuPO_8
Kulturelle Referenzen
Robbie Williams Netflix Dokumentation (2023) – „Robbie Williams" (4-teilige Serie)
Artikel: https://www.aol.com/news/robbie-williams-felt-imposter-syndrome-212942153.html
Yahoo Entertainment Interview (Dezember 2023) – „Robbie Williams has started to 'respect' himself as a performer"
URL: https://nz.news.yahoo.com/robbie-williams-started-respect-himself-070134460.html